Projektübersicht
- PROJEKTTITEL: Sozialpsychologische Aspekte langfristiger Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen von privaten Wald- und Hausbesitzenden (SLOTH)
- PROJEKTTEAM: Assoz. Prof. Dr. Thomas Brudermann; Annechien Drikje Brudermann, PhD; Katharina Trimmel, Dipl.-Ing.; Romana Schweiger, MSc.
- PARTNER: Gemeinsames Forschungsprojekt der Universität Graz (Österreich) und der Universität Primorska (Slowenien)
- LAUFZEIT: 2025-2028
- FINANZIERUNG: Bilaterales Projekt, finanziert durch FWF (Österreich) und Aris (Slowenien)
- PROJEKTZIEL: Untersuchung von Entscheidungsprozessen mit langfristigen Zeithorizonten und weitreichenden Auswirkungen, mit Schwerpunkt auf Hausbauenden und Waldbesitzenden.
Projektdetails
Hintergrund
Eine wirksame Eindämmung des Klimawandels und die Anpassung an dessen Folgen hängen von langfristigen Entscheidungen ab. Entscheidungen, die heute getroffen werden und deren Vorteile sich über Jahrzehnte entfalten. Die meisten verhaltenspsychologischen Modelle der menschlichen Entscheidungsfindung konzentrieren sich jedoch auf kurzfristige Ergebnisse, und Menschen neigen dazu, Auswirkungen in ferner Zukunft zu vernachlässigen (temporal discounting). Diese Diskrepanz stellt eine große Herausforderung für den Klimaschutz dar, der oft sofortige Investitionen und Verhaltensänderungen erfordert, die sich erst langfristig auszahlen.
Einige gesellschaftliche Akteur:innen sind jedoch strukturell dazu verpflichtet, in langfristigen Zeiträumen zu denken. Private Waldbesitzende und Hausbesitzende treffen regelmäßig Entscheidungen, deren Folgen weit in die Zukunft reichen. Entscheidungen zur Waldbewirtschaftung wirken sich auf die wirtschaftlichen Erträge, die Ökosystemleistungen und die Klimaauswirkungen der nächsten Jahrzehnte aus, während Entscheidungen zum Bau und zur Renovierung die Widerstandsfähigkeit, die Emissionen und den Wert von Häusern über ihren gesamten Lebenszyklus bestimmen.
Projektziel
Das Projekt zielt darauf ab, besser zu verstehen, wie langfristige Entscheidungen zur Klimaminderung und -anpassung bewusst und unbewusst getroffen werden, und welche Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Mit Schwerpunkt auf privaten Waldbesitzern und privaten Hausbesitzern untersucht das Projekt, wie langfristige Entscheidungen mit wirtschaftlichen, sozialen und psychologischen Faktoren unter sich ändernden Klimabedingungen zusammenwirken.
Methoden und Ansatz
Das Projekt verfolgt einen Mixed Methods Approach, der Folgendes kombiniert:
- qualitative sozialwissenschaftliche Methoden (Interviews und Fokusgruppen),
- quantitative Methoden (Umfragen) und
- Instrumente aus den Umweltwissenschaften, wie z. B. die Lebenszyklusanalyse.
Dieser interdisziplinäre Ansatz ermöglicht es dem Projekt, Entscheidungsprozesse mit ihren Auswirkungen auf die Umwelt in Verbindung zu bringen.
Erwartete Ergebnisse
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist die Entwicklung eines Entscheidungsmodells, das dazu beiträgt, langfristige, wirkungsvolle Entscheidungen im Bereich Klimaschutz und -anpassung zu erklären und zu leiten. Das Projekt wird:
- Entscheidungen mit dem höchsten Minderungspotenzial und Anpassungspotenzial identifizieren,
- Synergien und Kompromisse zwischen verschiedenen Entscheidungen analysieren und
- Schlüsselfaktoren bestimmen, die die langfristige Entscheidungsfindung unterstützen.
Verbreitung und Wirkung
Projektmanagement, Kommunikation und Verbreitungsaktivitäten werden während des gesamten Projekts durchgeführt, um eine effektive Zusammenarbeit und einen effektiven Wissensaustausch zu gewährleisten. Die Ergebnisse werden auf wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt, in Fachzeitschriften veröffentlicht und über Datenrepositorien offen zugänglich gemacht. Über seine angewandte Relevanz hinaus trägt das Projekt zur Förderung der Forschung in den Bereichen Kognitions- und Sozialpsychologie sowie Klima- und Umweltpsychologie und Soziologie bei.
Erstes Projekttreffen – Kick-off in Izola (Slowenien)
Die Projektpartner von Socio-psychological aspects of Long-Term High-impact decisions of private forest and home owners (SLOTH) kamen zu ihrem Kick-off-Meeting im InnoRenew CoE zusammen und markierten damit den offiziellen Start des Projekts.
An zwei intensiven Tagen tauschten die Teams Ideen aus und stimmten ihre Perspektiven zu den Entscheidungen der wichtigsten Interessengruppen ab, einem wesentlichen Bestandteil der ersten Forschungsphase des Projekts. SLOTH zielt darauf ab, besser zu verstehen, wie langfristige Entscheidungen zur Klimaminderung und -anpassung bewusst und unbewusst getroffen werden und welche psychologischen und sozialen Faktoren diese Entscheidungen beeinflussen. Ein zentrales Thema der Diskussion war die Planung der bevorstehenden Fokusgruppen und Interviews, die eine wichtige Rolle bei der Ausrichtung der nächsten Schritte des Projekts spielen werden.
Der zweite Tag bot weitere Gelegenheiten zum Austausch mit Präsentationen von Kollegen, die an verwandten Projekten beteiligt sind. Das Treffen endete mit einer Führung durch die Labore des InnoRenew CoE, die den Partnern wertvolle Einblicke in die Forschungsumgebung und die laufenden Arbeiten des Zentrums verschaffte.
Projektergebnisse
Konzeptualisierung langfristiger Entscheidungsfindung
Ziel der ersten Phase des Projektes ist es, ein konzeptionelles Modell zu entwickeln, das zeigt, welche Faktoren langfristige Entscheidungen mit großer Wirkung beeinflussen.
Zu diesem Zweck wurde eine systematische Literaturrecherche mit halbstrukturierten Interviews kombiniert, um zu untersuchen, wie langfristige Entscheidungen zu Klimaschutz und -anpassung getroffen werden und welche Faktoren diese Entscheidungen in verschiedenen Kontexten beeinflussen.
Die Literaturrecherche erfolgte nach den PRISMA-Richtlinien und umfasste Studien aus verschiedenen Disziplinen, wie Psychologie und Verhaltensökonomie. Eine erste Suche ergab 408 Artikel. Nach einer Vorauswahl und einer Eignungsprüfung wurden 107 Studien hinsichtlich ihrer Forschungsfragen, Methodik, Entscheidungen und Einflussfaktoren analysiert.
Die Forschungsergebnisse sind aufgrund uneinheitlicher Operationalisierung sehr heterogen, dennoch lassen sich über die Studien hinweg einige robuste Muster erkennen:
- Auf individueller Ebene unterstützen Bildung, finanzielle Möglichkeiten und Wirksamkeitsüberzeugungen (insbesondere Selbst- und Reaktionswirksamkeit) durchweg langfristige Entscheidungen, während eine konservative politische Orientierung tendenziell negativ damit verbunden ist.
- Langfristige Orientierungskonstrukte (z. B. zukünftige Selbstkontinuität, Vermächtnismotive) werden selten untersucht, zeigen jedoch vielversprechende positive Effekte.
- Auf kollektiver Ebene werden langfristige Entscheidungen durch Politik und Anreizgestaltung, wirtschaftliche Bedingungen und den sozialen Kontext geprägt, wobei die Ergebnisse stark kontextabhängig sind.
In einem nächstem Schritt wird die Literaturrecherche durch semistrukturierte Interviews mit privaten Waldbesitzenden und Hausbesitzenden in Österreich und Slowenien ergänzt, die im Frühjahr 2026 durchgeführt werden.