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Habilitationsprojekt - A cartography of translation

Im Jahr 1818 erschien in St. Petersburg nach rund fünfzehnjähriger Vorarbeit die „Geschichte des russischen Staates“ (in weiterer Folge „Geschichte“) von Nikolaj Karamzin (1766-1826). Bei dem Autor handelte es sich um einen bedeutenden russischen Schriftsteller, Herausgeber einflussreicher Zeitschriften und Reformator der russischen Standardsprache. Seine „Geschichte“, die in enger Abstimmung mit dem Zarenhaus und einer Reihe hochrangiger Vertreter des konservativ gesinnten Adels konzipiert und umgesetzt wurde, sollte eine alle nationalen, ethnischen und sozialen Gruppen des Zarenreichs umfassende Identität begründen. Darüber hinaus wollte man auf den vornehmlich in Westeuropa stattfindenden Diskurs über das Zarenreich als einem zivilisatorisch und kulturell rückständigen Land einwirken.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde die Konzeption, Produktion und weitere Dissemination der „Geschichte“ aus einem translatorischen Blickwinkel rekonstruiert. Welche Konzeptionen und Vorstellungen von Translation sind im Untersuchungszeitraum zu finden? Auf welche Weise wurde Translation eingesetzt, wo fand sie statt? Translation wurde in dieser Hinsicht in einem weiteren Sinne verstanden und schloss neben der Übersetzung zwischen sprachlich divergenten und kulturell bzw. sozial vermittelten Ausgangs- und Zieltexten auch den intermodalen Transfer mit ein.

Die „Geschichte“ ist ein geeigneter Ausgangspunkt, um der Frage nachzugehen, wie eine imperiale Identität in einer mehrsprachigen und pluriethnischen Gesellschaft formuliert werden musste und verbreitet werden konnte. Mehrsprachigkeit kennzeichnet im vorliegenden Fall die Existenz und den Einsatz verschiedener Varietäten innerhalb einer Gesellschaft. Dieser Ansatz wird um eine raumkritische Perspektive erweitert, die sich seit geraumer Zeit in den Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften etabliert hat. Auf diesen Überlegungen aufbauend, soll nach der physisch-räumlichen Verortung von Translation gefragt werden. Wo findet Translation statt? An welchen Orten befinden sich Translator*innen wie Translate, welche Wege beschreiten diese und wo kreuzen sich diese?

Zu diesem Zweck wurden eigens für die Arbeit über 50 thematische Landkarten, grafische Darstellungen und Datenvisualisierungen erstellt.

 

Publikationen:

- “The circulation of knowledge vs the mobility of translation or how mobile are translators and translations?”, in: Feinauer, Ilse, Marais, Amandas, Swart, Marius (ed.) Translation flows: Exploring networks of people, processes and products [= Benjamins Translation Library 163], Amsterdam 2023: John Benjamins, 23-42 [DOI:https://doi.org/10.1075/btl.163.02hof]

- „A cartography of translation. Visualizing translation spaces”, Translation Spaces 11(2) 2022, 157-183 [DOI: https://doi.org/10.1075/ts.20049.hof]

- „Übersetzer als translatorisch handelndes Kollektiv. Überlegungen zu einem Übersetzerbegriff am Beispiel des russischen Zarenreichs“, in: Tashinskiy, Aleksey, Boguna, Julija (Hg.) Das WIE des Übersetzens, Berlin 2018: Frank&Timme, 127-146

- „Der lange ‘Schatten’ imperialer Historiografie. Karamzins „Geschichte des russischen Reiches“ in Übersetzungen“, Zeitschrift für Ostmitteleuropa-Forschung 2016 65(4), 507-530 [DOI: https://doi.org/10.25627/201665410088 ]

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